P.K.: Das Hauptergebnis des Trainings unter der Anleitung eines echten Lehrers ist innere Entwicklung. Anstrengungen und Entbehrungen sind der Preis. Als ich mit Anfang 20 und 10 Jahren Training in westlichen Kampfk�nsten sowie etwas Yoga- und Meditationskenntnissen dabei war, mein Hochschulstudium zu beenden, entschloss ich mich, mein Leben auf die Suche nach innerem Sinn und innerer Entwicklung zu konzentrieren. Boxen und Ringen hatten keinen Tiefgang, Yoga hatte Tiefgang, war mir aber zu passiv, w�hrend mir Meditation ohne erg�nzendes Training zu unausgewogen schien. Ich versuchte es mit den japanischen Systemen, aber aufgrund ihrer kulturbedingten Strenge wendete ich mich den chinesischen K�nsten zu und begann mit Taiji. Taiji - zumindest die Lehre von Meister Huang Sheng Shuan (Huang Xingxian) - erf�llte alle meine Erwartungen hinsichtlich einer ausgewogenen inneren Entwicklung.
Welcher Aspekt von Taiji interessiert dich heute am meisten?P.K.: Nur der Geist (mind) und das, was jenseits des Geistes liegt, interessiert mich wirklich. Das Gebiet meiner Wahl, auf dem ich Menschen helfe, ist sie zu lehren, wie man den K�rper unter die Kontrolle des Geistes bringt. Dem Vorgang, bei dem der Geist tiefer zu seiner Quelle vordringt, gilt mein pers�nliches Interesse. Gesundheit und Selbstverteidigung sind sehr untergeordnete Interessen.
Hat sich dein Bild von Taiji in den letzten 30 Jahren sehr ver�ndert?P.K.: Nicht wirklich. Ich begann Taiji ohne es jemals gesehen zu haben. Ich wusste nur, dass es sich um eine der chinesischen Kampfk�nste handelt, die auf daoistischen Prinzipien basieren und die innere Entwicklung zum Ziel haben. Nachdem ich einen von Meister Huangs Instruktoren getroffen hatte, der eindeutig Kenntnisse und F�higkeiten jenseits dessen demonstrierte, was ich in den vorangegangenen 10 Jahren meiner Nachforschungen gesehen hatte, und nachdem ich Meister Huang selbst getroffen hatte, wusste ich, dass ich gefunden hatte, was ich suchte.
Was ist deine pers�nliche Unterrichtsphilosophie?P.K.: Es ist wichtig, die Sch�ler zu ermutigen, sich so anzustrengen, dass sie sowohl ihre �u�eren Grenzen ausweiten als auch tiefer in sich selbst hineingehen. Es ist wichtig sicherzustellen, dass die Sch�ler verstehen, warum sie bestimmte Dinge �ben und wohin diese �bungen sie f�hren werden. Sobald sie den Weg vor sich sehen und den Sinn erkennen, diesen Weg zu gehen, k�nnen sie allm�hlich unabh�ngiger von mir werden. Dieses Verst�ndnis sch�tzt sie au�erdem in Zukunft davor, von skrupellosen Lehrern in die Irre geleitet zu werden. Ferner ist es wichtig, die Verpflichtung zu verstehen, die im Unterrichten liegen. Das �ben dient der eigenen Entwicklung w�hrend das Unterrichten zur Unterst�tzung anderer erfolgt. Wenn man �bt, um Lehrer zu werden, oder unterrichtet, um Prestige oder Geld zu erhalten, wird es weder der eigenen inneren Entwicklung dienen noch dient es der inneren Entwicklung anderer.
Was sind deine zuk�nftigen Pl�ne hinsichtlich deines Unterrichts in Europa?P.K.: Von der gro�en Anzahl, die anfangs in meine Workshops kamen, w�hlte ich und konzentrierte ich mich auf hundert Sch�ler, die am meisten bereit waren, das zu �ben, was unterrichtet wurde. Ich beabsichtige, sie anzuleiten bis sie auf eigenen F��en stehen k�nnen. Wenn diese hundert die Vorg�nge und Verfahren wirklich gut verstehen, wenn sie im Stande sind, es in ihren K�rpern zu finden und dann an ihre Sch�ler weiterzugeben, dann steht es uns frei, uns auf die tieferen Aspekte zu konzentrieren. Meine Erfahrung und die meines Lehrers besagen, dass es ungef�hr vierzehn oder f�nfzehn Jahre stetigen Trainings bedarf, bevor ein Sch�ler in der Lage ist, unabh�ngig zu unterrichten. Ich lernte zwanzig Jahre unter Meister Huang bis zu seinem Tod in 1992 und das ist die Grundlage f�r die von mir angebotene Hilfe.
Was sind die tieferen Aspekte?P.K.: Die tieferen Aspekte liegen im Geist und jenseits des Geistes. Es gibt drei klare Ebenen im Taiji: den K�rper, den Geist und das was jenseits des Geistes (spirit) ist. Ich bem�he mich, die Menschen auf der K�rper-Ebene gr�ndlich zu unterweisen, f�hre sie weiter in Bereiche des Geistes, w�hrend ich stetig die spirituellen Gesichtspunkte einbringe.
Welche Dinge sind am wichtigsten f�r das Training auf den verschiedenen Ebenen?P.K.: Das Ziel besteht darin die Ebenen zu vereinen statt ausschlie�lich nur auf einer zu arbeiten. Man sollte zuerst lernen, sich geschmeidig in seinem K�rper zu bewegen, dann loszulassen, sich innerlich auszurichten und damit die Verbundenheit zu gestalten, um dann die Kr�fte im K�rper zu finden - all dies in Verbindung mit dem Geist. Dies alles sind die Aspekte der Geist-K�rper-Koordination (mind-body co-ordination). Reines K�rpertraining gibt es praktisch nicht im Taiji. Dann gibt es das Training f�r die Geist-Energie-Koordination (mind-energy co-ordination) und sp�ter f�r die tiefsten Bereiche des Geistes (deep mind) . Gleichzeitig erm�glicht das Training, die Verbindung zwischen dem deep mind und dem spirit zu st�rken.
Was unterrichtest du in Bezug auf den Geist?P.K.: Zwar ist es m�glich, etwas dazu zu sagen, aber echtes Verst�ndnis entsteht nur durch eigenes Training. Es gibt Wahrnehmung (Aufmerksamkeit) und Intention auf vielen Ebenen von sehr oberfl�chlich bis sehr tief verborgen. Wahrnehmung und Intention verbinden sich und bewirken im Zusammenspiel Reaktionen. �blicherweise wird im Taiji in einem gewissen Umfang die Wahrnehmungsf�higkeit trainiert, aber die Intention wird selten trainiert. Aktion mit Wahrnehmung beinhaltet das Prinzip "K�rper aktiv - Geist passiv" w�hrend Aktion mit Intention das Prinzip "K�rper passiv - Geist aktiv" beinhaltet. Das besondere Training der Intention des Geistes (Yi) wurde von den alten Meistern ganz bewusst geheim gehalten. Meister Huang und Meister Ma zum Beispiel behielten es nur den "inneren" Sch�lern vor und �bertrugen dieses Wissen damit nur an einige wenige ihrer tausenden Sch�ler. Deshalb ist die Methode der Intentionsentwicklung gew�hnlich nicht Bestandteil des Trainings - weder in China noch im Westen - und das, obwohl die klassischen Schriften sie f�r das wichtigste halten. Aber selbst wenn sie unterrichtet wird, muss ein Sch�ler eine lange Zeit �ben, bevor er sie f�r sich finden und vertiefen kann.
Kannst du uns etwas �ber deine wichtigsten Lehrer erz�hlen?P.K.: Am Anfang des Weges wurde es offensichtlich, dass ich einen Lehrer finden musste, der in spirituellen Dingen wirklich wusste, was er tat. Ich begann Meister Huangs Taiji und kurz darauf bei einem Sufilehrer zu lernen. Er war ein Lehrer aus der Naqshbandi-Tradition von Afghanistan, der auch zum Teil auf die Gurdjieff-Tradition zur�ckgriff. Ich lernte weiter von diesen zwei Menschen bis zu ihrem Tod (Meister Huang in 1992; der Sufi-Lehrer in 1987). Weitere Lehrer mit einem gewissen Einfluss sind ein alter Yogi in einer W�ste in Indien, den ich von Zeit zu Zeit besuche, und ein alter daoistischer Weiser, der verborgen in China lebt und im Westen nicht bekannt ist. Ebenso half mir Meister Ma Yueliang, der 6 Monate in Neuseeland verbrachte und den ich sp�ter in China besuchte. Schlie�lich stehe ich seit 15 Jahren in engem Kontakt mit Meister Ni Hua Ching, der Yang Shou Hou und Yang Cheng Fu kannte und mit Zheng Manqing eng befreundet war. Alle diese Lehrer dr�ngten mich zu unterrichten. Ohne ihre Erm�chtigung w�rde ich mir nicht anma�en, andere in ihrem Leben anzuleiten.
Wenn wir wieder auf das Taiji-Training zur�ckkommen - was ist der Zweck des Pushing-Hands?P.K.: Pushing-Hands trainiert das Feingef�hl (Sensitivit�t), die Form trainiert die innere St�rke. Dies ist ihr urspr�nglicher Zweck, der aber von d�rftig geschulten Adepten umgekehrt wird: Sie �ben die Form leichthin mit Wahrnehmung aber ohne Intention auf der Suche nach Feingef�hl, und versuchen dann beim Pushing-Hands innere St�rke zu finden, indem sie rohe Kraft in Verbindung mit einfacher Mechanik anwenden. Pushing Hands lehrt einen, seine Wahrnehmung so zu erweitern und auszudehnen, dass sie andere Personen einschlie�t. Es erlaubt einem, die Wahrnehmung, der und die richtige Antwort auf die Intention des Partners zu �ben, wohingegen in der Form die eigene Intention die Bewegung erzeugt als Antwort auf die gespeicherte K�rpererinnerung der Bewegungsabfolge. Mit der Zeit und der richtigen �bungsweise wird man so feinf�hlig, dass man die Bewegungsabsicht im K�rper, Energiefeld und Geist des Partners sp�ren kann. Au�erdem ist Pushing-Hands eine Lehrmethode, bei der die Sch�ler direkt mit dem Lehrer interagieren und aus diesem Kontakt lernen k�nnen.
Hast du an Pushing-Hands-Wettk�mpfen teilgenommen? Was h�ltst du von Wettbewerben?P.K: Ich habe niemals an einem Pushing-Hands-Wettkampf teilgenommen, aber wenn man in der chinesischen Welt mit jemandem pusht und ber�cksichtigt, dass die meisten Sch�ler und Lehrer in Asien im besten Fall in den "�u�eren Schulen" der guten Meister gelernt haben, wird es h�ufig sehr wettbewerbsorientiert. In Asien gingen wir oft am Wochenende in die Parks, in denen sich Taiji-Leute von vielen verschiedenen Schulen trafen. Obwohl es unsere Absicht war, zu lernen, war diese Situation extrem wettbewerbsorientiert und als ich in China verschiedene Lehrer besuchte, wurde dies oft f�lschlicherweise als eine Herausforderung missverstanden, so dass ein ernstzunehmendes Pushing-Hands kaum zu vermeiden war. Ich habe Wettk�mpfe beobachtet und sie scheinen die schlechtesten Aspekte im Taiji hervorzubringen und anzuregen. Das Vergleichsdenken und die verzweifelten Versuche zu gewinnen widersprechen den grundlegenden Prinzipien. Ich glaube nicht, dass man viel Wertvolles daraus lernen kann. Einige meinen, dass sie mit einer aggressiven Energie oder einer aggressiven Situation umzugehen lernen, aber ich beobachte, dass diese Leute selbst nur immer k�mpferischer werden. Die aggressive Situation regt Aggressivit�t an und so erhalten die Leute genau das Gegenteil von dem, was sie sich vorstellen. Aggressiv veranlagte Menschen f�hlen sich in ihrem Verhalten best�tigt, steigen auf in den R�ngen der Organisationen, die diese Wettk�mpfe veranstalten, und f�hren so diese Verhaltensmuster ewig fort.
Kann freies Pushing-Hands die festen Pushing-Hands-Bewegungsformen ersetzen?P.K.: Es ist wesentlich vorteilhafter, feste Bewegungsfolgen beim Pushing-Hands zu �ben und seinem K�rper und Geist die richtigen Reaktionen unter kontrollierten Bedingungen beizubringen. Wenn man hingegen das freie Pushing-Hands �bt, dann benutzt man nur die vorhandenen F�higkeiten, w�hrend man gleichzeitig versucht schneller und st�rker zu werden. Konsequenterweise werden so die ineffizienten, gewohnten Reaktionen noch st�rker in einem verfestigt. Wenn sich allerdings die Reaktionen einer Person so weit entwickelt haben, dass sie mit den Prinzipien des Taiji �bereinstimmen, kann sanftes, kontrolliertes freies Pushing-Hands benutzt werden, um die Nat�rlichkeit dieser Reaktionen zu verbessern.
Bitte erl�utere die Bedeutung des vertikalen Kreises im Gegensatz zum horizontalen Kreis.P.K: Der horizontale Kreis enth�lt die �u�eren Bewegungen des K�rpers, die die Positionierung des Zentrums einschlie�en. Im Rahmen des vertikalen Kreises finden die inneren Ver�nderungen im K�rper und im Geist statt, die feine �nderungen der K�rpergr��e und vertikale Kr�fte im K�rper erzeugen, w�hrend der K�rper seine �u�eren Bewegungen vollzieht. Die inneren Ver�nderungen in ihrer einfachsten Form sind Anspannung (Kontraktion) zur Ausl�sung von Bewegung gefolgt von Entspannung (Relaxation), welche dem K�rper erlaubt, sich unter dem Einfluss von Schwung und Schwerkraft zu ,schwingen' bzw. sich weiterzubewegen. Da der K�rper gegen den Boden arbeitet um sich zu bewegen, erzeugt Anspannung sowohl eine horizontale als auch eine vertikale Kraft. F�r schnellere Bewegungen ben�tigt man eine gr��ere horizontale Kraft, was einer st�rkere vertikale Kraft erfordert, was wiederum ein geringes Steigen des K�rpers erzeugt. Solange man sich langsam in der Taiji Form bewegt, unterdr�ckt die Schwerkraft das Steigen, so dass man es h�ufig nicht wahrnimmt. Wenn man sich schnell bewegen will, �berwindet die vertikale Kraft die Schwerkraft und der K�rper wird geringf�gig angehoben, um sich anschlie�end, sobald die Welle der Kontraktion verschwindet, wieder zu senken. Viele Menschen haben dies f�r sich erkannt und Cheng Man Ching erw�hnt es in einem seiner B�cher, aber diese zweite Phase der Entspannung bzw. des Schwungs besteht aus drei verborgenen Phasen, die selten verstanden werden.
Bitte erl�utere die verschiedenen Zust�nde der Muskeln und wie diese die Kr�fte im K�rper beeinflussen.P.K: Die Muskeln gehen durch einen Zyklus aus Anspannung (contraction), Loslassen (release), Dehnung (stretch) und Ent-Dehnung (un-stretch), w�hrend der Geist seinen entsprechenden Zyklus von Konzentration, Entspannung, Vertiefung und Leere besitzt. Zusammen mit jeweils einem neutralen Zustand f�r beide ergibt dies 5 Phasen. Praktisches Verst�ndnis davon entsteht nur durch langes Studium. Dieser Zyklus von Geist und K�rper ist die Grundlage all dessen, was mich Meister Huang in den 20 Jahren meines Trainings unter seiner Anleitung gelehrt hat. Wenn man die f�nf Phasen nicht versteht, dann ist es schwierig, die entspannte elastische Kraft des Taiji zu finden. Normalerweise wird gelehrt, dass es nur die zwei Muskelzust�nde Anspannung (Kontraktion) und Entspannung (Relaxation) gibt. Wenn man nur diese zwei kennt, wird man zwischen diesem Paar der Gegens�tze - Yin und Yang - stecken bleiben. Wenn man nur diese zwei ber�cksichtigt oder zu kombinieren versucht, wie zum Beispiel erst anspannen, dann entspannen oder teils angespannt, teils entspannt, dann ist die Suche nach der entspannten elastischen Kraft zum Scheitern verurteilt. Dehnung (stretch) und Ent-Dehnung (un-stretch) werden selten besprochen und verstanden. Die korrespondierenden geistigen Zust�nde sind sogar noch schwerer zu verstehen.
K�nntest du etwas zum Training der verschiedenen Zust�nde des Geistes in der Form sagen?P.K: Nein, das kann ich nicht wirklich erkl�ren. Sie m�ssen zusammen mit jemandem trainiert werden, der sie versteht. Ich kann sagen, dass die Leute erst einmal sehr genau auf die Vorg�nge in ihrem K�rper achten m�ssen. Gemeint ist nicht die normale Wahrnehmung, die vom oberfl�chlichen Geist (superficial mind) kommt. Vielmehr sollte man nach echten K�rperempfindungen wie W�rme, Druck und unsichtbaren K�rperpositionierungen suchen. Dies ist der erste Schritt und es ist betr�chtlich anders als die Art der Wahrnehmung, die der durchschnittliche Taiji-Sch�ler trainiert. Lediglich die Konzentration auf der Ebene der normalen t�glichen Wahrnehmung zu erh�hen, ist eine falsche Methode, die es einem sp�ter nur erschwert, tiefer zu gehen. Ungl�cklicherweise lehren viele moderne Meditationssysteme, genau diese oberfl�chliche Wahrnehmung zu sch�tzen und zu st�rken. Das Ego beobachtet die oberfl�chlichen Sinneseindr�cke (Sehen, H�ren usw.) und glaubt, dass es die Wirklichkeit so sieht, 'wie sie ist'. Das ist kein wirklicher Weg. Jeder meiner Lehrer sprach von diesem Irrtum und meine Erfahrung best�tigt dies ebenfalls.
Auf jeder Ebene von Taiji gibt es den Widerspruch zwischen Loslassen und die Kontrolle behalten. Wie denkst du dar�ber und wie empfiehlst du damit umzugehen?P.K: Im Zentrum von Taiji steht die paradoxe Frage nach der Verbindung von Yin und Yang, z.B. anspannen/entspannen oder Kontrolle/Nat�rlichkeit. Was wir suchen, ist nicht mehr Yin oder Yang oder eine Mischung, sondern etwas Neues. Man k�nnte es Yin-Yang nennen als etwas Eigenes. Es scheint eine Mischung von beidem zu sein, aber es ist etwas Anderes, eine dritte Sache, die neu erzeugt wird. Es ist nicht die Frage, ob eins richtig ist und das andere falsch, sondern dass die gleichzeitige Kombination der beiden etwas Subtileres erzeugt. Bei der Erzeugung der Taiji-Kraft (Jin) gibt es zur gleichen Zeit ein Hereinziehen und Aussenden. Das Stadium der Dehnung ist tats�chlich ein neuer Zustand der im Muskel erzeugt wird. Die Dehnung erm�glicht ein Nachgeben und zur gleichen Zeit erzeugt sie eine Kraft; es handelt sich nicht um eine einfache zeitliche oder r�umliche Kombination von Anspannung und Entspannung. Das gleiche gilt auch f�r Loslassen und die Kontrolle bewahren. Das Loslassen, das die Kontrolle st�rt, ist nicht das Loslassen, das man braucht. Die Kontrolle, die das Loslassen st�rt, ist nicht die Kontrolle, die man braucht. Man muss das finden, was gleichzeitig eine zunehmende Kontrolle und ein zunehmendes Loslassen erm�glicht.
Warum ist die innere Ausrichtung (alignment) des K�rpers so wichtig?P.K: Innere Ausrichtung ist wichtig in dem Moment, in dem die Kr�fte durch den K�rper flie�en. Innere Ausrichtung ist nicht wichtig, solange man nur entspannt. Das Ausrichten schafft zwischen dem Boden und dem Punkt der Anwendung eine Linie der Verbindung, die es den Kr�ften erm�glicht, durch den K�rper zu laufen, ohne Anspannung (Kontraktion), Widerstand oder Schmerz zu erzeugen. Eine gerade und senkrechte Wirbels�ule zum Beispiel erlaubt es, die gr��ten senkrechten Kr�fte vom Boden her aufsteigen zu lassen. Gew�hnlich l�sst die Flexibilit�t der Wirbels�ule mit zunehmendem Alter nach und die Kurven in der S�ule verst�rken sich, was zu Problemen mit den Bandscheiben f�hrt. Loslassen und inneres Ausrichten in der Form sowie zus�tzliche �bungen k�nnen diesen Prozess umkehren.
Worin liegt die Bedeutung einer gut entwickelten Basis?P.K: Die inneren Kr�fte des Taiji wirken auf- bzw. abw�rts im Verh�ltnis zum Boden. Ohne eine gute Basis kann man diese Kr�fte nicht finden und wird niemals aufh�ren, rohe Kraft und das Gewicht des Oberk�rpers einzusetzen, was beim Hervorbringen der Kraft (pushen) durch Lehnen und �berm��ige Bewegung angezeigt wird. Nur wenn der K�rper extrem stabil ist, kann man - w�hrend man mitten in der Aktion ist - den Geist tief konzentrieren.
Warum ist es f�r den K�rper wichtig, locker zu sein?P.K: Neugeborene sind bereits locker, aber sie wissen noch nicht, wie man sich bewegt. Das Erste, was sie lernen, um zu �berleben, ist ein Mindestma� an Bewegungsverm�gen, welches Anspannung beinhaltet. Jedermann lernt dies, aber mancher lernt niemals loszulassen. Folglich bleibt und sammelt sich eine Restanspannung im K�rper, so dass der K�rper im Alter fest und verspannt wird. Als Gegenmittel muss man erst einmal lernen, diese angew�hnte Restanspannung zu l�sen. Und als n�chstes jede get�tigte Anspannung unmittelbar danach auch wieder vollst�ndig aufzul�sen. Denn Restspannungen blockieren einerseits die Blut- und Energiezirkulation und beeintr�chtigen anderseits die sich anschlie�enden Bewegungen. Sobald die Kr�fte vom Boden durch den K�rper flie�en, ist es unabdingbar notwendig, die vorherigen Anspannungen vollst�ndig zu l�sen, um das halb-automatische Dehnen (stretching) und Ent-Dehnen (un-stretching) zuzulassen.
Warum ist Genauigkeit in der Form wichtig?P.K: Der Hauptgrund besteht darin, auf einem Einstiegsniveau die Geist-K�rper-Kontrolle (mind-body control) zu trainieren. Dies wird erreicht durch genaues Positionieren des K�rpers nach Ma�gabe einer klaren Absicht des Geistes, bei der es sich entweder um eine gespeicherte Erinnerung einer Position oder um eine neue Intention in diesem Moment handelt. Bei Anf�ngern beabsichtigt der Geist etwas zu tun und der K�rper tut etwas anderes. Genauigkeit stellt den ersten Schritt sowohl in der Geist-K�rper-Kontrolle dar als auch den ersten Schritt, um die Haltungen zu finden, die eine bessere Durchleitung der Kr�fte vom und zum Boden zulassen.
Warum ist es notwendig den deep mind zu entwickeln?P.K: Der oberfl�chliche Geist oder die normale t�gliche Wahrnehmung ist im wesentlichen das Bewusstsein des Gehirns. Der wirkliche Geist in all seinen Aspekten existiert im Energiefeld, nicht im Gehirn. Wenn man stirbt, vergeht das oberfl�chliche Bewusstsein zusammen mit dem Gehirn, aber die tieferen Aspekte des Geistes bestehen weiter und funktionieren auf drei unterschiedlichen Ebenen. Es gibt den Geist, der mit dem K�rper verbunden ist, den Geist, der mit dem Energiefeld verbunden ist und es gibt die Intelligenz des Geistes. Die Intelligenz des deep mind wirkt durch diese drei Aspekte. Sie verbindet sich durch diese drei Aspekte mit K�rper und Gehirn, aber sie ist deutlich zu unterscheiden vom Gehirn. Der deep mind, welcher die tieferen Aspekte des Energiefelds einschlie�t, ist das wahre individuelle Selbst, welches in einen K�rper geboren ist, um sein Energiefeld und die damit verkn�pften Intelligenzen fortzuentwickeln. Das ist der Sinn des Lebens. Wenn man sich daran nicht erinnert, vergeudet man seine Lebenszeit.
Also w�rdest du sagen, dass dies ist der Hauptgrund f�r das Taiji-Training ist?P.K: Die Klassiker sagen, dass der Hauptgrund des Taiji-Trainings darin besteht, Langlebigkeit zu erreichen, was in der daoistischen Lehre gleichbedeutend mit Unsterblichkeit ist oder der F�higkeit nach dem Tod in einem Diamantk�rper zu �berleben. Die Buddhisten sprechen von Erleuchtung und meinen damit die Erzeugung eines K�rpers aus Licht f�r den gleichen Zweck. Nach dem Tod lebt man so oder so in seinem Energiek�rper weiter. Wenn der Energiek�rper durch die richtigen Bem�hungen zur Lebenszeit gest�rkt und verfeinert wurde, dann werden die tieferen Aspekte des Selbst unabh�ngig vom K�rper und somit in einem kristallisierten Energiek�rper immun gegen den Tod. Wenn man dies nicht erreicht hat, dann wird jegliche individuelle Existenz allm�hlich von einem vergehen oder man kehrt wieder in einen K�rper zur�ck, um erneut zu versuchen, dem Kreislauf von Leben und Tod zu entkommen. Das ist die Wahrheit des Lebens. Sie wird von allen echten Lehrern gleicherma�en verstanden. Andere Gr�nde f�r Taiji sind schlichterer Natur, die von Menschen im allt�glichen Leben erfunden wurden, gew�hnlich um den K�rper zu pflegen und sein Wohlgef�hl zu steigern oder um k�mpferische �berlegenheit und die damit verbundene zweifelhafte Anerkennung zu erreichen. Ungl�cklicherweise kann gerade diese Konzentration auf Gesundheit oder Selbstverteidigung sowohl die Verhaftung des Geistes mit dem K�rper als auch das Ego st�rken und somit die innere Weiterentwicklung blockieren.
Wie k�nnen diejenigen, die an deinen Konzepten interessiert sind, in Kontakt mit deinem Unterricht kommen?P.K: Ich betreibe kein breit angelegtes Marketing, aber es sind genug Informationsquellen verf�gbar, wie dieses Interview, meine B�cher und meine unterrichtenden Sch�ler. Wenn jemand wirklich interessiert ist, wenn er sich die M�he macht, sich umzusehen, und wenn es eine innere Resonanz mit der Lehre gibt, dann wird ohne Zweifel sein deep mind eine Gelegenheit f�r einen Kontakt arrangieren.
Das Interview wurde gef�hrt von Jean Haines (GB), Michael Pl�tz (D) und Michael Jagdt (D) (Deutsche Fassung von Michael Jagdt / Michael Pl�tz)